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29. Oktober 2019

Mental ist man wie in einem Tunnel

Backstagegeschichten zum Quadruple-Erfolg mit Weltrekord des TUfast Racing Teams bei der Formula Student Saison 2019    

In nur einem dreiviertel Jahr baute das Formula Student Team der Technischen Universität München an einem neuen Elektro- und einem Driverless-Rennwagen für die Rennsaison 2019. Und die viele Arbeit des jungen Ingenieurteams hat sich gelohnt: Bei den vier großen europäischen Wettbewerben in Ungarn, Österreich, Deutschland und Spanien gewann der eb019, so der Name des TUfast Elektroautos, den ersten Platz. Die Reilhofer KG ist seit Frühjahr 2019 als Premium Partner mit im Boot der Sponsoren für den eb019. Zum Saisonabschluss trafen wir Eva Herrmann, TUfast Team Manager der Saison 2018/19, und Alexander Barz, Technical Director eb020 für die kommende Saison 2019/20 zu einem Gespräch.

RHF: Herzlichen Glückwunsch an das Team zum Quadrupel-Erfolg bei den Formula Student Rennen 2019. Ihr habt in allen vier Wettbewerben den Gesamtsieg eingefahren und in vielen weiteren Einzelkategorien Preise abgeräumt. Auf welchen der Preise seid Ihr denn besonders stolz und warum?
Eva (TUfast): Das ist schwer zu sagen. Das eigentliche Highlight ist in der Tat das Quadruple. Wir können es nach wie vor kaum fassen. Vier Gesamtsiege in den wichtigsten europäischen Wettbewerben in Folge einzufahren, ist uns erstmals gelungen und zählt insgesamt auch zu den Rekorden der Branche. Aber natürlich gibt es auch einige Einzelergebnisse, die uns mit zusätzlichem Stolz erfüllen. Da wäre zum einen der Gesamtsieg beim heimischen Wettbewerb: dass wir Formula Student Germany gewinnen, war schon lange unser Ziel, und dieses Jahr haben wir es endlich geschafft. Ein grandioser Teamerfolg! Stolz sind wir auch auf den neu aufgestellten Formula Student Weltrekord im Skid Pad mit 4,698s am Hockenheimring (Skid Pad = Querbeschleunigung während einer konstanten Kreisfahrt).

RHF: Welche war die diesjährige größte Herausforderung bei der Konstruktion und dem Bau des Fahrzeuges?
Alexander (TUfast): Die größte Herausforderung ist es, ein Team aus unerfahrenen Studenten aufzustellen und diese in kürzester Zeit mit dem nötigen Wissen auszustatten. Denn wir wollen das Projekt nicht nur auf gleichem Niveau halten, sondern uns in allen Bereichen, wie Fertigungsqualität, Leichtbau, Innovation etc. verbessern. Obendrein müssen die Studenten intrinsisch motiviert ihr Studium in Gefahr bringen, um Vollzeit am Projekt mitzuwirken. Ohne materielle Gegenleistung, allein aufgrund der Chance auf Erfolg am Wettbewerb und für den eigenen Ehrgeiz. Das ist der Natur der Formula Student verschuldet.

Eva (TUfast): Eben weil wir für jede Saison wieder komplett neu bauen, müssen die Prozesse im Team stimmen und das Kommittent auch, sonst wird das nichts. Unser Team besteht aus knapp 100 Mitgliedern, die sich engagieren und deren Aufgaben klar sein müssen bei so einem straffen Zeitplan. Ich war jetzt ein Jahr Team Managerin – und in der Zeit habe ich kaum etwas Anderes machen können. Deswegen gebe ich die Aufgaben des Team Managers nun auch an Florian Schuster weiter. Und ich weiß, er schwitzt jetzt schon ob der hohen Erwartungshaltung für die kommende Saison (lacht). Nein, Spaß beiseite. Unser Team ist wirklich super und dass wir gemeinsam arbeiten können, haben wir bewiesen. Natürlich sind auch die Freude und der Spaß stets mit dabei. Ich möchte an dieser Stelle dem ganzen Team danken für den unermüdlichen Einsatz und den Spaß bei der Arbeit und die Professionalität. 

Das RHF Team gratuliert TUfast zum Saisonerfolg mit bayerisch weiß-blauem Konfettiregen

RHF: Das mit dem Erfolg hat ja in dieser Saison mehr als geklappt. Ab wann war abzusehen, dass Ihr die Rennen so erfolgreich beenden werdet oder war es bis zur letzten Minute knapp? Gibt es Unterschiede bei den verschiedenen Rennen?
Eva (TUfast): Eigentlich ist es bei jedem Rennen bis zuletzt spannend. Denn viele der anderen Teams sind starke Mitbewerber. Bei FS East in Ungarn waren dieses Jahr zum Beispiel 73 Teams am Start, am Hockenheimring zu FS Germany sogar 113 Teams in den jeweils 3 Kategorien Combustion, Electric und Driverless. Da hat man nichts zu verschenken. Herausforderungen können da schon die knappen Zeitslots im sogenannten „Scrutineering“ sein, in dem die technische Reglementkonformität aller teilnehmenden Fahrzeuge überprüft wird. Denn mitunter finden zeitgleich die statischen Events, wie Cost Report oder Engineering Design statt, während dessen aber die Fahrzeuge in der Box stehen müssen. So passiert es, dass gewisse Scrutineering Events leider nicht im geplanten Zeitraum stattfinden können und nachgeholt werden müssen, unter ebenfalls knappen zeitlichen Bedingungen und nach dem Motto „First come, first serve.“ So passierte es unserem Driverless db019, dass er wegen zeitlicher Knappheit nicht alle Tests des Scrutineerings bestehen konnte, was schmerzhafte Punktverluste mit sich bringt.
In den statischen Disziplinen gilt es dann, die Officials zu überzeugen. Das gelingt mal, und mal nicht. Zum Beispiel haben wir beim Business Event in Ungarn und Österreich gute Ergebnisse erzielt, in Deutschland und Spanien landeten wir in der Kategorie „Business Plan“ nur jeweils auf Platz 25. Aber eines haben die vier Wettbewerbe gemeinsam: auf den Rennstrecken im dynamischen Einsatz konnte unser eb019 stets überzeugen. 

RHF: Wenn man als Fahrer kurz vor Start eines Rennens in so einem Auto sitzt und das ganze Team setzt die Hoffnung in einen, als auch in das Auto, was geht einem da durch den Kopf und wie fühlt man sich, wenn man die Ziellinie passiert?
Alexander (TUfast): Mental ist man wie in einem Tunnel. Man geht nochmal die ersten Kurven durch und überprüft alle Einstellungen im Fahrzeug. Sicher ist einiges an Druck vorhanden, aber sobald man die ersten Meter gefahren ist, ist der verflogen und man ist so konzentriert, eine saubere und schnelle Runde zu fahren. Bei der Zieldurchfahrt schießen einem die Gedanken in den Kopf: Wie war die Zeit? Wo steht man zur Konkurrenz? Und hat man ein Hütchen geschmissen? Dort ist aber erst die halbe Arbeit getan. Es folgt ja noch das Rescrutineering, wo immer noch eine gewisse Anspannung vorhanden ist.

RHF: Neben dem Elektroauto habt Ihr auch einen Driverless gebaut. Was sind hier die wichtigsten Aufgaben im Vergleich zum Elektro?
Alexander (TUfast): Im Bereich des autonomen Fahrens wird noch weiterhin sehr viel geforscht und entwickelt, sodass es noch viele Fragen und wenig akzeptierte Antworten gibt. Dieses neue Feld der Technologie in einem so kleinen Team aus Studenten umzusetzen, ist im Moment eine der größten zu meisternden Aufgaben. Besonders beim Umsetzen der Software müssen wir uns noch weiterhin viel Wissen aneignen, das wir in anderen Fachbereichen über die Jahre schon erlangt haben. Aber auch im Bereich des autonomen Fahrens haben wir die letzten drei Jahre einen riesigen Fortschritt gemacht und konnten letzte Saison größere Erfolge feiern.

Spaß ist dabei: Fotoshooting bei Formula Student Spain 2019 mit dem db019

RHF: Wie schaut es bei den Rennen vor Ort aus: Kennt man die anderen Teams schon aus den Vorjahren und wie darf man sich das Miteinander auf so einem Rennen vorstellen? Gibt’s ernsthaftes Konkurrenzdenken oder freut man sich auch für die Erfolge der anderen?
Eva (TUfast): Das Miteinander bei diesen Wettbewerben ist einfach berauschend. Man kennt sich und fiebert auch für einander mit. Ok, für die einen manchmal mehr als für die anderen, aber echtes Konkurrenzdenken gibt es kaum. Gerade dieses Miteinander macht diese Wettbewerbe aus. Die Atmosphäre ist stets sehr kollegial, freundschaftlich und macht Spaß. In Spanien gibt es jedes Jahr zum Beispiel auch ein Cultural Dinner, bei dem fast jedes Team was Landestypisches zum Abendessen beisteuert. Da werden Spanferkel gegrillt oder Paella bereitet. Wir wollten in diesem Jahr eigentlich gern eine Nachspeise reichen: Milchreis. Aber da gilt wohl der alte Spruch: „Schuster bleib bei deinen Leisten“, denn unsere Ingenieurs-Köche haben das Essen anbrennen lassen. Zum Glück haben wir immer genügend Schmankerl im Gepäck: gutes bayerisches Bier. Da sind dann alle doch noch zufrieden. 

RHF: Nun ist die diesjährige Rennsaison schon wieder zu Ende. Was sind Eure Ziele für die nächsten Autos und die Saison 2020?
Alexander (TUfast): Wir fokussieren uns weiterhin auf Leichtbau, Aerodynamik und Fahrdynamikregelung, da diese unserer Meinung nach die höchste Performance bringen. Natürlich möchten wir auch gerne an die Erfolge dieser Saison anknüpfen. Dafür bauen wir auf den bereits vorhandenen Konzepten auf und versuchen, wieder zwei zuverlässige und schnelle Rennwagen auf die Strecke zu bringen. Das Wissen, das wir über all die Jahre gesammelt haben, wird uns dabei unterstützen. Aber wir wären nicht TUfast, wenn wir nicht auch wieder neue, besonders extravagante Konzepte ausprobieren würden.

RHF: Na das macht ja neugierig auf die nächste Saison. Und wenn Ihr Euch ein Formula Student Rennen auf dieser Welt aussuchen könntet, bei dem Ihr gern mal dabei wäret: welches wäre das und warum?
Alexander (TUfast): Neben den großen Events in Europa, zu welchen wir jedes Jahr fahren, geht es hin und wieder für eine kleine Gruppe in die USA oder Australien. Dort herrscht eine ganz andere Atmosphäre und man lernt auch andere Teams kennen, welche es nicht nach Europa schaffen. Auch der Wettbewerb in Silverstone hat eine gewisse Klasse für sich, denn dort ist die Formel1 zuhause. Aber genauso besonders sind die Wettbewerbe in Hockenheim und in Spielberg. Dort ist meist die größte Konkurrenz und man kann sich die ausgefallensten Konzepte der besten Teams ansehen.

Wir wünschen dem TUfast Racing Team weiterhin viel Erfolg. Für uns als Partner steht demnächst ein gemeinsames Messen im Bereich der Schadensfrüherkennung direkt im eb019 auf der Rennstrecke an, um TUfast bestmöglich unterstützen zu können bei der Optimierung der Autos für die Saison 2020. Wir werden drüber berichten…

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